Hier ist alles ganz anders

(Bermatingen ) . Quasi indisch ! Man kann dieses Restaurant
nicht einfach betreten, die Karte verlangen, sich mit der
Begleitung unterhalten, essen, bezahlen und nach zwei Stunden
wieder gehen. Denn: in der Küche wird nicht nach festen
Rezepten gekocht; im Service keine "Pinguine", die Stühle
rücken und dauernd nachschenken.

Manchmal gibt es noch nicht einmal Besteck zum Essen. Und
dennoch haben wir es hier mit indischer Spitzenküche zu tun.
Auch mit bis zu achtgängigen Menues, als kunstvolle Speisen
- Gemälde auf die Teller gezaubert.

Die Gästebücher des Restaurants sind voller verzückter Einträge:
die Gäste schwärmen, man habe sie das Schmecken gelehrt; sie
hätten einen Abend erlebt, so an- und aufregend wie nie in ihrem
kulinarischen Leben.

Hier wird ein Gastronomie - Konzept verwirklicht, das
seinesgleichen sucht: der Gastgeber sitzt mit am Tisch liefert
auch den Gesprächsstoff: Sansi erzählt von indischer Küche,
Literatur und Kunst. Er regt Gespräche an und bringt auch
solche Menschen miteinander ins Gespräch, die sich in einem
"normalen" Restaurant nicht einmal mit Fremden an einen Tisch
gesetzt hätten.

Das neue Lokal hat inzwischen sowohl als Gourmettempel als auch
als Treffpunkt für diskussionsfreudige Zeitgenossen von
Studenten bis zum Ministerpräsidenten einen Ruf gewonnen

Claudia Pohl richtet dort mit Vinay Sansi den Gästen einen
Augen- und Gaumenschmaus an, den die meisten Gäste lange in
Erinnerung behalten: Viel geschmacklich ausdrucksstarkes, alles
frisch, so wenig Fleisch wie möglich, und alles in überraschender
Kombination und Präsentation.

"Global Denken, lokal handeln ist meine Maxime", sagt Vinay Sansi,
denn mit dem Restaurantbetrieb allein gibt er sich nicht
zufrieden: dazu kommen noch Ausstellungen und entwicklungspolitische
und kulinarische Bildungsarbeit mit Kindern.

Originaltext: Markus Salfer; Accent, Sept. 93; Seite 54