Einzige vernünftige Antwort auf Gewalt

Hoher Besuch in der Kulturoase
Ervin Laszlo fordert Weltbewusstsein


Bermatingen/Markdorf-"Auch Krieg ist Mord", erklärte in der
Kulturoase Shiva der frisch gebackene Träger des
japanischen Friedenspreises Ervin Laszlo. Von den
zahlreichen Projekten des Vorstandsmitglieds der
humanitären Organisation Terra, Vinay Sansi,
Bermatingens "indischem Mann", zeigte sich der
Präsident und Gründer des Clubs of Budapest Ervin Laszlo
auf Stippvisite in Bermatingen tief beeindruckt.

Ein weltbürgerliches Bewusstsein entwickeln und
globale Verantwortung tragen lernen, sei einzig
erfolgversprechende Antwort auf die Selbstmordanschläge
vom 11. September, betonte Laszlo: "Gewalt mit Gewalt
zu beantworten ist keine Lösung. Wir sind zivilisierte
Leute. Wir töten nicht, sondern versuchen Probleme
vernünftig zu lösen", erklärte er gegenüber dem
Südkurier.

Die Hälfte der Menschheit werde von der Globalisierung
vergessen. Dies habe nach Ervin Laszlos Auffassung eine
fatale Radikalisierung zur Folge: "Die Leute sind
fanatisch, nicht verrückt. Aus ihrer Sicht hat ihr
Handeln eine innere Logik und Schlüssigkeit", bekräftigte
er. Die militärische Reaktion auf die Katastrophe vom
11.September hält der Philosophieprofessor für
grundfalsch. "Die Verletzungen sind da. Die Gefühle
des Ausgegrenztseins sind berechtigt. Was wir brauchen
ist eine Weltinnenpolitik, statt Krieg. Wir brauchen
eine Allianz aller Gesellschaften gegen Gewalt und für
eine gemeinsame Welt und nicht eine weitere Umdrehung
an der Spirale des Leids."

Laszlo nehme überall eine wachsende Empörung gegen den
Krieg wahr. 50 Millionen Menschen allein in den
Vereinigten Staaten zeigten durch ein neues, ein
verändertes Konsumverhalten Solidarität mit anderen
Kulturen. Eine Kommission, zusammengesetzt aus allen
Bereichen und Kulturen müsse gebildet werden als
Antwort auf das Entgleiten der politischen Ereignisse:
"Die Welt ist ein Dorf geworden seit dem 11.September",
stellte Laszlo fest. Gleiche Bedingungen überall, das
sei das Ziel, das es langfristig zu erreichen gelte.
Viele Wege in diese Richtung würden Laszlos Meinung
zufolge derzeit beschritten.

Auch das Engagement Vinay Sansis in der Bermatinger
Kulturoase unter anderem mit der Organisation Terra
und dem Wasserprojekt "world wide water" zähle zu den
ermutigenden Beispielen. Alle sechs bis acht Sekunden
sterbe ein Kind an den Folgen des Mangels an sauberem
Trinkwasser. Für sauberes Trinkwasser setze sich
"world wide water" ein, mit dem Ziel, Firmen und
Verbraucher für die Abgabe eines freiwilligen
"Wasserpfennigs" zu gewinnen. Auch das eng mit der
Arbeit von Terra verbundene Konzept des
Wirtschaftsprofessors Muhammad Yunus, Kleinkredite
bis 200 Mark durch die eigens gegründete "Grameen Bank"
an die Ärmsten der Welt zu vergeben mache Hoffnung,
so Laszlo. Bereits mehr als zehn Millionen Menschen
in über 60 Ländern konnte auf diese Weise nach Studien
internationaler Organisationen geholfen und die Würde
zurückgegeben werden. Über 60 Länder wenden
mittlerweile das Yunus-Prinzip der Kleinkredite
erfolgreich bei der Bekämpfung der Armut an.

Mit einem Kreditvolumen von anfänglich lediglich
500 000 Mark brach das revolutionäre Konzept die
Armutsfalle auf. 50 Milliarden Dollar, das sei die
Summe, die ausreiche um mit den bewährten Methoden
die Armut von der Welt zu vertreiben und auch die
dramatischen Bilder vom 11.September endgültig in die
Geschichtsbücher zu verbannen. Gerechnet an den
Ausgaben des Krieges eine verschwindend geringe
Summe, glaubt Ervin Laszlo.

Die Philosophie des Club of Budapest gründe sich
auf der Erkenntnis, daß die enormen Herausforderungen
der Menschheit nur durch die Entwicklung eines
kulturellen und weltbürgerlichen Bewusstseins
bewältigt werden können. Hier leiste auch die
Bermatinger Kulturoase einen wichtigen Beitrag,
konstatierte Ervin Laszlo.


Zur Person Ervin Laszlo:

Der gebürtige Ungar Ervin Laszlo, Gründer und
Präsident des Club of Budapest, hat als einer der
ersten Vertreter der Systemphilosophie und der
allgemeinen Evolutionstheorie mittlerweile über
70 Bücher geschrieben, die in 18 Sprachen erschienen
sind. Im Laufe seiner langen akademischen Karriere
hat er unter anderem als Professor der Philosophie,
Systemphilosophie und Zukunftsstudien an diversen
namhaften Universitäten in den USA, Europa und dem
Fernen Osten gelehrt und geforscht.

Laszlo ist Herausgeber einer Wissenschaftlichen
Vierteljahresschrift und der dazugehörigen Buchreihe
und Hauptherausgeber einer vierbändigen Enzyklopädie.
Neben seiner Tätigkeit als Präsident des Club of
Budapest und als Leiter der General Evolution
Research Group, deren Gründer Laszlo ist, ist der frühere
Präsident der International Society for the Systems
Sciences, Berater des Generaldirektors der UNESCO,
Botschafter des International Delphic Council, das
Mitglied der International Academy of Science, der
World Academy of Arts and Science sowie der
International Academy of Philosophy of Science als
Vorstand oder außerordentliches Mitglied in
zahlreichen internationalen Vereinigungen tätig,
zu denen unter anderen auch der Club of Rome zählte.

Eine große Zahl weitere Titel und Auszeichnungen
auf unterschiedlichsten Gebieten wurden Ervin
Laszlo verliehen von nahmhaften Universitäten
und Institutionen.

Südkurier Dienstag, 6. November 2001, Nr.256.57.Jahr
von Südkuriermitarbeiter Siegfried Amann