Ein Gipfel um Moral und Macht

Erstes „World Spirit Forum“ fordert Verbindung von Ethik und Wirtschaft

Arosa (sam) Die Zeit, die der Menschheit zur Besinnung
bleibt, ist kurz. Das erste „World Spirit Forum“ im schweizerischen Arosa mit
120 Teilnehmern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst ging dem
Weltwirtschaftsgipfel in Davos voraus und ist gerade mal einen Steinwurf davon
entfernt. Ethik und Wirtschaft zusammenzuführen, das war Ziel des
Weltkongresses. Der „Bermatinger Inder“ Vinay Sansi stellte dabei als
Überraschungsgast sein Projekt „world wide water“ vor.

Zusammenbruch oder Durchbruch, das entscheide sich in den
nächsten zehn Jahren: „Die Menschheit befindet an einer Schwelle“, zeigte sich
Professor Ervin Laszlo sicher, einer der 17 prominenten Referenten auf dem
dreitägigen Kongress. 500 Familien seien ebenso reich, wie der gesamte Rest der
Menschheit und die Lokomotive laufe auf Crashkurs, mahnte Laszlo: „Wir sitzen
alle auf demselben kleinen Planeten und wer im Zeitalter der Globalisierung und
der Netzwerke anderen etwas antut, tut es letztlich immer auch sich selbst an.
Aber es liegt etwas in der Luft, das ist an vielen Orten mit Händen zu greifen“,
betonte er. Zu den lebhaft diskutierten Ansätzen und Modellen verantwortlichen Wirtschaftens
zählte das vom Bermatinger Gastronomen Vinay Sansi vorgestellte Projekt „world
wide water“. Dabei forderte er einen Trialog der Kulturen über einen nachhaltigen
Umgang mit der Ressource Wasser. 250 Millionen Menschen werden im künftigen Jahrzehnt
sauberem Wasser hinterher wandern, so lauten alarmierende Prognosen: „Wer sagt,
das geht mich nichts an, der hat nichts verstanden“. So gelte es laut Sansi, gerade
die Jugend für die drängenden Probleme zu sensibilisieren und durch beherztes Handeln
drohendes Leid und Elend abzuwenden. Stichworte wie „Regenwasserernte“ mit einfachsten
Geräten und „Mikrokredit-System“ will er durch „gemeinsames Kochen“ in Köpfen,
Herzen und Mägen vorantreiben: „Das World Spirit Forum ist ein Schneeball, der
ein Lawine auslösen kann, die weit über Arosa und Davos hinausreicht“, erklärte
Sansi.

„Wir versammeln hier die ideelle Spitze der Zivilgesellschaft,

um nachhaltige Zukunftsmodelle und Visionen zu entwickeln“, betonte der Kurator
des Tibetinstituts Peter Grieder. Ursprünglich habe der Davoser
Weltwirtschaftsgipfel ein ähnliches Anliegen gehabt, das jedoch im Laufe der
Zeit und im Dunstkreis der Macht verloren gegangen sei. „Was wir brauchen ist
eine regelrechte Bewusstseinsschule“, betonte Professor Michael von Brück,
Münchner Religionswissenschaftler, der nicht mehr an den Nutzen weiterer
Imeratove und Postulate glaube. Auch eine neue Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit,
eine Kultur der Begeisterung wurde beschworen. Der Kopf des „World Spirit
Forum“ Sesto Castagnoli erklärte: „Wichtig ist es, authentisch und glaubwürdig
zu sein und die Thesen, die vertreten werden, auch selbst umzusetzen. Wen will
man denn überzeugen, wenn man selbst nicht genug daran glaubt, um danach zu
leben.“ Nobelpreisträger Richard Ernst ergänzte: „Ich bin begeistert von der
Idee, aber der Begriff Spiritualität ist heikel. Es ist ein hohles Wort und
wird oft in den Mund genommen, wenn man nichts Gescheites zu sagen hat.

Prominentester Redner der
Veranstaltung war Ervin Laszlo, Dozent an den Universitäten Yale und Princeton,
Zukunftsforscher und Gründer des Club of Budapest. Zu den 17 namhaften
Referenten zählten weiter der Chemie-Nobelpreisträger Professor Richard Ernst,
Peter Grieder, Kurator am Klösterlichen Tibet-Institut in Rikon, die
afrikanische Autorin und Medizinfrau Sobonfu Somé, sowie der japanische
Unternehmensberater Minoru Tominaga und die „Unternehmerin des Jahres“ Anne
Koark. Ab 2005 ist jährlich ein fünftägiger Kongress mit rund 1000 Teilnehmern
vorgesehen.