Konkurenz belebt das Geschäft

Das neue "World Spirit Forum" in Arosa ergänzt den Davoser Promi-Gipfel

Arosa (sam) Es hat Tradition, wenn sich die „Bullen und Bären“ dieser Welt, die milliardenschweren Hauptakteure im globalen Monopoly Mitte Januar zum Plausch in Davos treffen. Begleitet von strengen Sicherheitsvorkehrungen, weltweiter Aufmerksamkeit, Protesten und Ausschreitungen ist das Weltwirtschaftsforum stets Schmelztiegel der Macht. Jetzt soll scheinbar „Unvereinbares“ zusammengeführt werden: Drei Tage bis zum gestrigen Dienstag, nicht zufällig nur einen Tag und einen „hohen Berg“ vom Weltwirtschaftsforum entfernt, tagte das erste „World Spirit Forum“ im Bündner Ferienort Arosa. Im Brennpunkt der dreitägigen Veranstaltung steht das Thema „Ethik und Wirtschaft“.

„Ein eisiger Wind weht auf dem Gipfel“, zumindest zwischen Davos und Arosa. Das belegt die reservierte Reaktion von Klaus Schwab, Organisator des Weltwirtschaftsforums auf ein Angebot zur Zusammenarbeit durch Sesto Castagnoli, Präsident des „World Spirit Forum“, das bis gestern in Arosa Premiere feierte. Zeitpunkt und Ort der Veranstaltung seien bewusst gewählt, so Castagnoli: „Die Nähe zu Davos hat Symbolcharakter.“ Mit dem Namen „Arosa“ soll künftig ein spiritueller Weltkongress für „Macher und Denker“ fest verknüpft sein, der die fehlende ethische Dimension erschließt und eine Plattform für Zukunftsvisionen bietet. „Dazu wurden die aktivsten, glaubwürdigsten und kraftvollsten Köpfen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur geladen“. Ziel sei, so führte Sesto Castagnoli gegenüber dem SÜDKURIER weiter aus, Menschen und Organisationen zu moralischem Handeln zu ermutigen und zugleich konkrete und tragfähige Projekte zu befördern. „Verantwortung für die Gesellschaft und die Umwelt zu übernehmen ist für Unternehmen nicht länger eine Frage der Wohltätigkeit, sondern wird immer mehr zu einer Frage des wirtschaftlichen Erfolges“, betonte Ervin Laszlo, Dozent an den Universitäten Yale und Princeton, Zukunftsforscher und Gründer des Club of Budapest. Man stehe an einem Wendepunkt und es gehe um nicht weniger als die Frage des Überlebens der Menschheit, erklärte er: „Alles spricht dafür, dass erst ein globaler Zusammenbruch, den ich in den nächsten zehn Jahren erwarte, den Glauben an Profit und Geld erschüttern kann“. Den Mut von Wirtschaftsführern, Begriffe wie Spiritualität und Gott wieder in den Mund zu nehmen, das forderten die vierzehn prominenten Referenten mit Blick nach Davos. „Ich glaube nicht mehr daran, dass die Veränderung von oben kommt. Wir müssen es schon selbst tun. Das an vielen Ecken zu verzeichnende Aufkommen von Weisheit ist so etwas wie eine Immunreaktion des Körpers gegen den drohenden Untergang“, so Laszlo.

Erfahrungsberichte von nachhaltigen und erfolgreichen Projekten, engagierte Plädoyers zu einem Modell neuer Ethik und der Erneuerung von Ökonomie und Gesellschaft und Forderung nach Bewusstseins- und Wertewandel mündeten in eine gemeinsame Resolution der über 120 Teilnehmer am gestrigen Nachmittag. „Jeder der etwas tut, muss wissen, dass er es damit gleichzeitig anderen antut. Die Menschheit wird nicht mehr artgerecht gehalten und gnadenlos dem Diktat des Profits unterstellt“, waren sich Laszlo und der Chemie-Nobelpreisträger Professor Richard Ernst einig.

Ab 2005 ist jährlich ein fünftägiger Kongress mit über 1000 Teilnehmern vorgesehen.

Zu den Rednern zählten neben Laszlo der Chemie-Nobelpreisträger Professor Richard Ernst, Peter Grieder, Kurator am Klösterlichen Tibet-Institut in Rikon, die afrikanische Autorin und Medizinfrau Sobonfu Somé, sowie der japanische Unternehmensberater Minoru Tominaga, die „Unternehmerin des Jahres“ Anne Koark und viele weitere Referenten aus Forschung, Wirtschaft und Kunst. Zu den Überraschungsgästen zählte mit dem „Bermatinger Inder“ Vinay Sansi, der das Projekt „world wide water“ vorstellte (der SÜDKURIER berichtete, auch ein Vertreter vom Bodensee

Die Kosten der Veranstaltung in Höhe von rund 60000 Euro wurden weitgehend von den Teilnahmegebühren gedeckt: „Man kann auch ohne Geld etwas auf die Beine stellen“, zeigte sich Castagnoli stolz.